Atmen

 

Das mit dem Atmen war so eine Sache. Sie vergaß es bisweilen. Man glaubt es kaum. Wie, um alles in der Welt kann man das Atmen vergessen? 
Aber es war so. Ihr Atem stand still, bis sie plötzlich bemerkte, wie ihr Körper revoltierte. Ihr wurde heiß. Kleine, feine Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn, ihr Herz pochte wie verrückt. Was war los? 
Atmen! Atmen! Hol Luft! Los! 
Sie öffnete den Mund. Die Luft strömt in ihren Körper, füllte ihre Lungen. Sie hatte das Gefühl, als würde sie aufgeblasen wie ein Ballon. Zuviel, das war zu viel. Zuviel Luft. Sie versuchte es ganz langsam. Legte sich auf den Rücken, legte die Hände sanft auf den Bauch. Sie versuchte, sich zu konzentrieren. Der erste gemäßigte Atemzug streifte sanft das Innere ihrer Nasenflügel. Sie stellte sich vor, wie viele kleine Sauerstoffperlen sich ihren Weg bahnten, in ihre Nase, in ihren Rachen, in ihre Lungen. Sie sah sie förmlich vor sich, diese kleinen Luftbläschen. 
Das dumme war nur, sie wollte sie nicht mehr loslassen. Ausatmen – wie denn? Du darfst das Ausatmen nicht vergessen, hatte man sie ermahnt. Ganz bewusst versuchte sie, sich einen Luftzug vorzustellen, einen Zug, der verbrauchten Sauerstoff aus ihrem Körper transportierte. Schschsch… er zischte durch ihre Nase, der Luftzug. 
 Nun war sie wieder bereit für einen neuen, frischen Atemzug.

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